Innerliche Erschöpfung

In den letzten Tagen bin ich wieder ziemlich schnell verletzbar und das merke ich sehr. Ich bin irgendwie erschöpft und ausgelaugt, könnte tagsüber nur schlafen. Ich quäle mich, den Tag ohne Schlaf auszuhalten und abends werde ich, wie von Zauberei, putzmunter – die Nächte sind Horror.

Ich habe Kopfschmerzen, bin über Dani verärgert. Er vergleicht mich beim Kochen einfach zu sehr mit seiner Mutti: Die Tomatensoße ist zu sauer, der Gurkensalat entweder zu süß oder zu salzig und im Rührei ist kein Schinken. Ich werde bald noch wahnsinnig. Heute machte ich ihm eine Ansage: Du kannst nur meckern, immer ist was anderes. Ich habe es nun mal nicht anders gelernt und ich bin eben nicht deine Mutti. Es ist mir langsam scheiß egal. Ich werde den Gurkensalat nur noch so machen, wie meine Mutti es mir beigebracht hat und auch die Tomatensoße mache ich nicht mehr. Ich bin es leid. Gewöhn dich dran!

Mich regt es auf, dass ich mich über solche Kleinigkeiten ärgern muss und eigentlich sind das Dinge, die man in ruhigen klären kann. Aber ich kann langsam nicht mehr ruhig bleiben. Es gibt immer was anderes. Es wird auch nicht so recht akzeptiert, dass ich im Moment nicht arbeiten gehe. Da krieg ich eben Vorhaltungen, wie „Ja, ich kann nicht den ganzen Tag vorm Fernseh sitzen.“ oder „Dir kann ja auch nicht der Rücken weh tun. Ich war den ganzen Tag arbeiten.“ Ich hasse es. Es regt mich auf. Ich hatte Krebs! Ich darf jetzt auch mal zuhause bleiben. Auch, wenn es mir im Moment gut geht. Ich will leben und meine Zeit genießen und mich im Moment einfach nicht auf Arbeit rumschlagen und fehlen tu ich da sowieso nicht, weils nichts los ist (so sagte mir meine Chefin). Also was soll das? Ich werde verurteilt, nur weil ich mich ausruhen und den Sommer genießen möchte. Ich weiß nicht, was mir die Zukunft bringt.

Ach, ich könnte mich jetzt hier noch stundenlang aufregen. Damit hätte ich kein Problem. Beispiele und Situationen würden mir zu genüge.. *gaaaah*

So, ich werd mich jetzt vertragen gehen.. denn wir wollen heute Abend mit den Schwiegereltern, Danis Onkel + Partnerin wegfahren. Ich hab keine Lust :-/

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6 Kommentare zu “Innerliche Erschöpfung

    • Hallo Sue,

      danke für den Link. Ich habe ihn auch bereits auf meinem Blog veröffentlicht 🙂 Mir ist es nämlich auch wichtig, dass unsere Mitmenschen begreifen, dass mit Ende der Therapie nicht einfach alles so ist wie zuvor. Viele meiner Mitmenschen verstehen das nämlich auch nicht – auch Dani nicht.

      Liebe Grüße und Knuddler

  1. Hab mir mal die ganze kebsige Geschichte durchgelesen.
    Was für ein Mist, das einem so jungen Menschen sowas passieren muss.
    Was für ein Mist, das überhaupt irgendwem soetwas passieren muss.
    Ich wünsche dir von ganzen Herzen alles alles gute und dass du es schaffst, das alles irgendwann komplett zu überwinden.

    • Ja, Krebs ist riesengroßer Mist – du sagst es. Und leider werden die Menschen, die es betrifft, immer jünger :-/

      Vielen Dank für deine lieben Wünsche. Ich gebe mein Bestes, um sie in die Tat umzusetzen 🙂

      LG

  2. Du schreibst da doch nicht wirklich von deinem Freund oder? Ich finde es nämlich so unverschämt was du dir da anhören musst und wäre es mein Freund, hätte ich ihm schon längst ne klare Ansage gemacht: So nicht!
    Genau, du hattest Krebs! Und es steht dir total zu auch mal ne Woche nichts zu machen bzw nur das zu machen was dir gut tut! Wenn dein Freund das nicht versteht, fragt man sich ehrlich gesagt, ob er der richtige für dich ist. Maaannn ich könnt mich grad so aufregen! Man ist ja nicht sofort wieder topfit nur weil der Krebs weg ist. Das ist viel umfangreicher! Und wenn ein lieber, nahstehender Mensch das nicht checkt, ist das einfach nur traurig!!! 😦

    • Das Problem ist einfach, dass er mit der Krankheit von Anfang an nicht umgehen konnte und er versuchte, unser Leben so normal wie möglich weiterlaufen zu lassen, was manchmal für mich recht schwer war. Und jetzt, zwei Jahre nach der ersten Diagnose, denkt er halt, es wäre alles wieder okay. Aber die Diagnose Anfang des Jahres und das ganze Hin und Her in den letzten Wochen raubt mir eben meine Kräfte. Außerdem genieße ich es, nicht arbeiten zu gehen und da ich eh eine neue Stelle suche.. nur merkt Dani auch, dass uns das Geld fehlt. Ich bekomme ja nur einen „Pfifferling“ – eben sehr, sehr wenig und wir haben ein Haus abzuzahlen, die nächste Heizöllieferung ist fällig. Ich kann seinen Ärger also etwas verstehen, aber deswegen kann ich mich auch nicht vierteilen und ich möchte gern meinen Weg gehen, so wie ich ihn als am Besten empfinde. Da reiben wir halt öfter mal aneinander :-/

      Liebe Grüße 🙂 (habe übrigens letztens deine Kommentare gesucht. Wo findet man die)

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