Ist Verschweigen gleich Lügen?

Also bitte, es sind jetzt noch 3 Bestrahlungen und dann hab ich erstmal Ruhe vor den täglichen Fahrten nach Halle. Am Montag habe ich zudem noch einen Termin in der Onkologie. Ich vermute, es wird ein großes Blutbild gemacht. Leider erfahre ich ja den TM-Wert nicht gleich. Schade.

Heute musste ich eine Freundin ganz gezielt anlügen. Naja, was heißt, ich musste. Ich wollte es ja so, aber es fühlte sich schon komisch an. Sie fragte nach meinem Gesundheitsstand, eben, wie es mir geht. Gut gehts mir. Was sollte ich auch sagen? Ich hab sie ganz bewusst angelogen, eben weil ich mir dieses kleine Stückchen Normalität bewahren möchte. Ich habe keine Lust auf mitleidige Blicke und ständige Fragen.
Als ich bei der Bestrahlung da so lag, dachte ich darüber nach. Bisher habe ich es ja nur verschwiegen, dass ich Metastasen habe. Aber ist Verschweigen gleich Lügen? Wenn es dann mal rauskommt, muss ich mich rechtfertigen? Ich bin ja der Meinung, auch wenn es meine Freunde sind, kann und möchte ich selbst entscheiden, was ich wann wen sage und wenn ich es für besser halte und auch besser für meinen Lebensstil ist, dann muss ich mich nicht rechtfertigen, oder?

Gewichtstechnisch bin ich noch immer bei meinem Auf und Ab.. ich schwanke immer zwischen 68,2 und 69,5 kg. Solange Dani Zuhause ist und nicht arbeiten geht, ist es für mich schwer, zu verzichten. Ich muss meinen Tag ganz anders einrichten. Es gibt regelmäßig eine richtige Mahlzeit. Okay, ich hab sonst auch gegessen. Aber mir hatte auch mal ein überbackenes Toast gereicht *sunny glubsch* Wenn Dani daheim ist, koche ich richtig. Er will ja auch was essen. Verständlicherweise.. Das frustet mich doch schon irgendwie.

Naja, was gibts sonst Neues? Hm, ich weiß nicht. Nichts irgendwie. Ich bin ziemlich down immer mal wieder. Gerade gestern erst wieder, als ich von der Bestrahlung Heim fuhr. Da kam doch der Kinderwunsch irgendwie hoch und ich stellte mir vor, dass mein Onkologe ein Wundermittelchen für mich hat, die Metas kaputt gehen und ich nach einer gewissen Zeit grünes Licht für einen Versuch bekomme, schwanger zu werden und es klappt. Und ich kann voller Freude Dani erzählen, dass ich schwanger sei. Hm, aber die Seifenblase verplatzte schnell wieder und ich kam in die Realität zurück: Ich werde niemals ein Kind bekommen können.

Habt ihr den Dreiteiler von „Unsere Mütter, unsere Väter“ gesehen? Fand ich ja richtig gut gemacht den Film. Aber er lässt mich nicht mehr los. Ich schweife ständig in Gedanken dorthin und denke an die fiesen Szenen. An die Vergewaltigung von Charlotte oder wie Friedhelm nicht mehr leben wollt, sich erschießen ließ. Gott, der Krieg muss so schlimm gewesen sein. Ich bin so froh, dass ich das nicht miterleben musste. Mein Opa war im Krieg und er sah, wie sein Freund einen Kopfschuss bekam. Der Onkel meiner Oma, er starb 2004 mit 94 Jahren, wurde noch 5 Jahre nach Kriegsende von den Russen gefangen gehalten, kam einen Tag, nachdem seine Mutter starb, wieder nach Hause. Der Tod, das Leid.. nee, ich will sowas nie erleben. Das sind Gedanken, die mich nicht loslassen. Wie war das wohl?..

Ihr merkt, ich hab in letzter Zeit den Kopf voll mit allem möglichen. Gestern hab ich auch noch meine Schlaftablette vergessen und konnt nicht schlafen. Mir hing dann ständig diese Vergewaltigung im Kopf. Ich kann sowas nicht sehen, weil ich dann ewig über diese Szenen nachdenke. Ging mir schon bei „the hills have eyes“ so, als diese Missgeburt das junge Mädchen vergewaltigte.
Wollt dann aber auch nicht runter gehen und eine Schlaftablette einnehmen. Muss ja auch irgendwann mal wieder ohne gehen. Ging aber nicht.. gaaah..

So, genug geblubbert. Ich schau jetzt noch GNTM zu Ende, bekomme schlechtes Gewissen, weil ich so viel zum Abendbrot verputzt hab und geh dann schmollend schlafen. Heute mit Tablette.

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6 Kommentare zu “Ist Verschweigen gleich Lügen?

  1. Was Du erzählst und was nicht, ist in dieser Angelegenheit nun wirklich Deine Sache. Da darf niemand Rechtfertigungen verlangen, falls das nötig werden sollte.

  2. Liebe Yvonne,

    ich gehe mit dem Thema ja entgegengesetzt zu Dir um, würde es aber nie wagen das zu werten. Das muß Du wirklich selbst entscheiden. Wenn Du Dich fürs „nichts sagen“ entschieden hast, solltest Du aber dann auch innerlich dazu stehen und Dir dann nicht noch ein schlechtes Gewissen machen 🙂
    Hier hat es heute schon wieder geschneit *gggrrr*

    lieben gruss
    sue

  3. Offensiv die eigene Geschichte allen erzählen, lieber garnichts sagen oder auch einen beliebigen Mittelweg. Alles ist möglich, und wenn man es für sich selbst als den richtigen Weg empfindet. Raten kann man da nur sich selbst. Das tun, womit man sich gut oder doch am besten fühlt. Schlechtes Gewissen oder die Frage, wie andere mit dem eigenen Weg klarkommen, sind überflüssig, den das ist nicht Dein Problem. Es KANN sein, das andere mit mehr oder auch mit weniger Information besser klarkommen, und das KANN nützlich sein. Das KANN man ausnutzen, aber nur wenn es einem selbst damit gut geht, das sollte auf jeden Fall an erster Stelle stehen.

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